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Adrian Goiginger - im Interview
Wenn ihr mehr über Adrian Goigingers Filmgeschmack wissen wollt, schaut doch bei seiner Kuratierung seiner liebsten Filme aus dem VOD CLUB vorbei. Außerdem haben wir ein Filmpaket mit seinem bisherigen Schaffen, zum ermäßigten Preis für euch vorbereitet.
VIER MINUS DREI basiert auf einem autobiografischen Buch. Was hat dich persönlich an dieser Geschichte berührt – und warum wolltest du sie verfilmen?
Es war für mich spannend herauszufinden, wie das Leben nach so einem schlimmen Schicksalsschlag weitergeht und wie man wieder Hoffnung und Lebensfreude gewinnen kann. Die Geschichte von Barbara ist für mich ein Beweis dafür, dass wahre Liebe niemals stirbt.
Der Film erzählt – wie einige deiner früheren Werke – von einem großen Verlust, vermeidet dabei aber Pathos. Wie hast du filmisch eine Sprache für Trauer gefunden, ohne sie zu überzeichnen?
Durch die Clowns. Sie sind ein filmisches Geschenk und haben uns die Möglichkeit gegeben, die Trauer ganz anders zu erzählen. In der Clownerie dreht man die Dinge oft ins Gegenteil. Deswegen war für mich klar, dass das Begräbnis der Familie die bunteste, schönste und fröhlichste Szene des Films sein wird. Zudem hab ich mich voll und ganz auf meine Hauptdarstellerin Valerie Pachner verlassen – und sie sich auf mich.
Humor und Schmerz liegen hier sehr nah beieinander. Welche Bedeutung hatte diese Spannung für dich in der Inszenierung?
Freude und Leid, Glück und Unglück sind oft nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Im einen Moment kann man lachen, kurz darauf muss man weinen. Das wollte ich in der Inszenierung und in der Struktur erreichen. Der Autor Senad Halilbašić hat das Buch von Anfang an so angelegt und das war genau richtig. Eine lineare Erzählweise hätte nicht funktioniert.
Mit Valerie Pachner hast du eine Schauspielerin besetzt, die bereits in internationalen Großproduktionen zu sehen war. Wie habt ihr gemeinsam an dieser Figur gearbeitet?
Valerie ist eine unglaublich begnadete Ausnahmekönnerin. Deswegen habe ich ihr die Freiheit gegeben, sich weg von der realen Barbara und ihrer Clownfigur zu bewegen. Interessanterweise ist es dann im Endeffekt wieder sehr nah an der Realität. Die Gespräche mit Barbara Pachl-Eberhart waren ebenso wichtig wie die vielen Clown- und Schauspielproben, die wir gemeinsam gemacht haben. Großes Kompliment auch an Robert Stadlober, der dieselbe Clownvorbereitung machen musste.
VIER MINUS DREI ist ein sehr stiller Film. In RICKERL – MUSIK IS HÖCHSTENS A HOBBY hast du dich zuvor mit der lebhaften Welt eines Musikers auseinandergesetzt. War es für dich eine bewusste Entscheidung, diesmal in eine ganz andere Richtung zu gehen?
Nein. Bis jetzt war es immer so, dass die Geschichten organisch zu mir gekommen sind. Ich bin ein extrem intuitiver Gefühlsmensch. Wenn mich ein Schicksal, ein Leben oder ein Buch fesselt und nicht mehr loslässt, dann will ich das verfilmen. Die Reihenfolge ist dann eher Zufall.
Deine Filme sind oft autobiografisch oder stark lebensnah. Wo ziehst du für dich die Grenze zwischen persönlicher Nähe und künstlerischer Distanz?
So pauschal ist das schwer zu beantworten. Ich finde es wichtig, echte Schicksale zu erzählen, vor allem weil man dann umfangreich recherchieren kann. Das brauch ich auch, um ein Gefühl für die Welt und die Figuren zu bekommen. Gleichzeitig liebe ich das fiktionale Arbeiten und den Einsatz aller filmischen Mitteln. Deswegen reizt mich der Dokumentarfilm auch nicht.
Welche Rolle spielen Orte und Räume in Vier minus drei – auch im Hinblick darauf, innere Zustände sichtbar zu machen?
Vor dem Unfall war die vierköpfige Familie in einer sehr kleinen Mietwohnung in Graz, wo ihnen die Decke auf den Kopf gefallen ist. Das hat zu Problemen und Streitereien in der Ehe geführt. Kurz, nachdem sie in ein riesiges Haus am Land gezogen sind, war Barbara plötzlich alleine. Dieses leere, kalte Haus ist sinnbildlich für die Einsamkeit, die sie zu besiegen versucht.
Ist dein nächstes Filmprojekt bereits in Planung – und zieht es dich thematisch eher wieder ins Persönliche oder in neue Terrains?
Gerade arbeite ich an der Romanverfilmung „Das Café ohne Namen“ von Robert Seethaler. Eine berührende und humorvolle Milieustudie eines 60er-Jahre Arbeitercafés in Wien.